2. Alkohol

Wie wirkt Alkohol?
Wie berechnet man den Promillegehalt des Alkohols im Blut?
Wie lange kann Alkohol im Körper nachgewiesen werden?
Was passiert bei wie viel Promille?
Welche körperlichen Schädigungen entstehen durch chronischen Alkoholkonsum?
Was sind psychische und soziale Langzeitwirkungen von Alkohol?
Wie gefährlich ist Alkohol im Straßenverkehr?
Was ist eine MPU?


Wie wirkt Alkohol?
In geringen Mengen wirkt Alkohol anregend. Er steigert die Stimmung, hilft Hemmungen und Ängste abzubauen und fördert die Kontakt- und Kommunikationsbereitschaft. Bei mittleren oder höheren Dosierungen kann heitere Stimmung in Gereiztheit, Aggression und Gewalt umschlagen. Gefühle sind dann nicht mehr unter Kontrolle. Die meisten aggressiven Straftaten werden unter Alkoholeinfluss begangen.

Ein großes Problem stellen die schwindende Konzentrationsfähigkeit und die längeren Reaktionszeiten dar. Die enthemmende Wirkung des Alkohols steigert die Wahrscheinlichkeit für risikohaftes Verhalten, zum Beispiel im Straßenverkehr. Alkohol gelangt über die Schleimhaut des Magens und des Dünndarms ins Blut. Eine halbe bis eine ganze Stunde nach dem Trinken ist die Konzentration des Alkohols im Blut am höchsten.

Zwei bis fünf Prozent des Alkohols werden über Atemluft, Schweiß und Urin ausgeschieden. Der Rest wird in der Leber abgebaut. In einer Stunde baut ein Mensch durchschnittlich 0,1 bis 0,2 Promille ab – immer abhängig von seiner körperlichen Verfassung. Der Alkohol gelangt über das Blut ins Gehirn, wo er die Informationsübertragung der Nervenzellen beeinflusst. In geringen Dosen wirkt das stimulierend, bei mittleren und höheren Dosen hemmend.

Der Alkohol verursacht eine Vergiftung im Körper, die die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit stört. Sprechen, Einschätzungen treffen, den Körper koordinieren – alles fällt schwerer. Der Betrunkene wird müde und benommen. Bei sehr hohem Promillegehalt kann es zum Koma oder Tod kommen.


Wie berechnet man den Promillegehalt des Alkohols im Blut?
Die Konzentration des Alkohols im Blut (BAK) wird in Promille angegeben. Sie kann berechnet werden, wenn man weiß, wie viel jemand getrunken hat und wie schwer er oder sie ist. Die Menge des Alkohols wird in diesem Fall nicht in Liter sondern in Gramm angegeben. Ein Standardglas Alkohol – zum Beispiel ein Bier, ein Wein oder ein Schnaps – enthält etwa zehn Gramm Alkohol.


Wie lange kann Alkohol im Körper nachgewiesen werden?
Alkohol lässt sich bis zu mehrere Stunden nach dem Konsum im Blut, Atem, Schweiß, Speichel oder Urin eines Menschen nachweisen. Das Ergebnis sagt aber nichts darüber aus, ob jemand regelmäßig trinkt. Um das herauszubekommen, werden andere Methoden eingesetzt:

    • GGT-Test (Gamma-Glutamyl-Transferase) Bei Menschen, die täglich mehr als acht Standardgläser Alkohol – also ungefähr zwei Liter Bier – trinken, ist der Spiegel des GGT-Enzyms erhöht und leicht nachweisbar. Bei einem Konsumstopp dauert es 25 Tage, bis die Hälfte des Enzyms wieder abgebaut ist. Leberkrankheiten, Diabetes, Übergewicht und einige Medikamente können den GGT-Spiegel ebenfalls erhöhen.
    • CDT-Test (Karbohydratdefizientes Transferrin) Wer eine Woche lang täglich sechs Standardgläser Alkohol trinkt, hat einen erhöhten CDT-Spiegel. Der Wert halbiert sich erst nach 17 Tagen völliger Abstinenz. Eine Schwangerschaft, Leberzirrhosen und eine chronische Hepatitis beeinflussen den CDT-Spiegel ebenfalls.
  • MCV-Test (Mittleres Volumen von roten Blutkörperchen) Ein Alkoholmissbrauch kann auch durch ein erhöhtes Volumen an roten Blutkörperchen nachgewiesen werden. Dieser Wert bleibt auch nach mehreren Monaten der Abstinenz hoch.

Standardglas Alkohol = 0,25 l Bier = 10 g reiner Alkohol


Was passiert bei wie viel Promille?
Die folgenden Angaben zu den Wirkungen des Alkohols gelten für Erwachsene und sind als Anhaltspunkte zu betrachten. Wie sich welcher Promille-Wert bei einem Menschen auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Kinder und Jugendliche sind zum Beispiel wesentlich empfindlicher als Erwachsene. Bei ihnen können auch geringere Mengen zu Lähmung und Tod führen.

Auch bei Erwachsenen gibt es eine tödliche Dosis: Ab einem Alkoholgehalt von mehr als drei Promille im Blut kann Alkohol zu Bewusstlosigkeit, Atemlähmung und Tod führen. Diese Dosis wird selten erreicht, da die Trinker meistens vorher einschlafen oder durch Erbrechen der Alkohol ausgeschieden wird, bevor er ins Blut gelangt. Todesfälle sind vor allem möglich, wenn zu viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, zum Beispiel bei Trinkwetten.

0,2 bis 0,5 Promille:

  • Leichte Verminderung von Seh- und Hörvermögen
  • Nachlassen von Aufmerksamkeit, Konzentration, und Reaktionsvermögen
  • Kritikfähigkeit, Urteilsfähigkeit sinken, die Risikobereitschaft steigt

ab 0,5 Promille

  • Störungen des Gleichgewichts
  • Probleme mit Konzentrationsfähigkeit, deutliche Verlängerung der Reaktionszeit
  • Enthemmung und Selbstüberschätzung nehmen zu

ab 0,8 Promille

  • Wahrnehmung von Gegenständen und räumliches Sehen sind beeinträchtigt
  • Blickfeld verengt sich zum Tunnelblick
  • Steigende Gleichgewichtsstörungen
  • Ausgeprägte Konzentrationsschwäche, stark verlängerte Reaktionszeit
  • Steigende Selbstüberschätzung, Euphorie, zunehmende Enthemmung

1,0 bis 2,0 Promille: Rauschstadium

  • Starke Gleichgewichtsstörungen
  • Aufmerksamkeit und Konzentration lassen nach
  • erheblich gestörte Reaktionsfähigkeit, Verwirrtheit, Sprechstörungen, Orientierungsstörungen
  • Übersteigerte Selbsteinschätzung durch Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit

2,0 bis 3,0 Promille: Betäubungsstadium

  • Ausgeprägte Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen
  • Reaktionsvermögen kaum noch vorhanden
  • Muskelerschlaffung
  • Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit
  • Erbrechen

ab 3,0 Promille: Lähmungsstadium

  • Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust, schwache Atmung, Unterkühlung, Reflexlosigkeit

ab 4,0 Promille:

  • Lähmungen, Koma, unkontrollierte Ausscheidungen, Atemstillstand und Tod


Welche körperlichen Schädigungen entstehen durch chronischen Alkoholkonsum?
Körperliche Folgen: Da der Alkohol durch das Blut über den ganzen Körper verteilt wird, kommt es bei regelmäßigem und erhöhtem Konsum in fast allen Geweben zu Schädigungen der Zellen. Vor allem betroffen sind die Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose), die Bauchspeicheldrüse, das Herz (Erweiterung des Herzmuskels). Außerdem sind das zentrale und periphere Nervensystem (Hirnatrophie, Polyneuropathie) und die Muskulatur (Muskelatrophie) betroffen. Forschungen belegen, dass bei langfristigem massiven Alkoholkonsum ein erhöhtes Krebsrisiko besteht (Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs und bei Frauen Brustkrebs).

Ein abruptes Absetzen des Alkohols kann gefährliche Entzugserscheinungen zur Folge haben. Dazu gehören Krampfanfälle sowie Bewusstseins- und Orientierungsstörungen. Diese werden oft von beängstigenden Wahnvorstellungen begleitet werden. Hinzu kommen starke Entzugserscheinungen wie Schwitzen, erhöhter Puls und Blutdruck sowie Unruhe und Angstzustände.


Was sind psychische und soziale Langzeitwirkungen von Alkohol?
Psychische Folgen einer Alkoholabhängigkeit sind neben Stimmungsschwankungen und Angstzuständen auch Depressionen und Selbstmordgedanken.

Durch den Alkoholmissbrauch verändern sich auch die Beziehungen zu anderen Menschen. Es entstehen Konflikte, Ehen und Freundschaften zerbrechen, der Arbeitsplatz geht verloren, die Wohnung wird gekündigt. Darunter leiden nicht nur die Alkoholkranken, sondern auch ihre Partner und Kinder.


Wie gefährlich ist Alkohol im Straßenverkehr?
Alkohol beeinträchtigt die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Gefährliche Situationen werden zu spät erkannt und falsch eingeschätzt. Deshalb gilt: Wer Alkohol getrunken hat und anschließend ein Fahrzeug steuert, gefährdet sich und die anderen Verkehrsteilnehmer. Das Unfallrisiko steigt bereits nach dem Trinken geringer Mengen, es verdoppelt sich ab 0,5 Promille und es verzehnfacht sich ab einem Wert von 1,1 Promille. Die gefährliche Wirkung des Alkohols wird erhöht, wenn zeitgleich Cannabisprodukte eingenommen werden.


Was ist eine MPU?
Wer nach einem Führerscheinentzug einen neuen möchte, muss zunächst eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) bestehen. Diese wird oft als „Idiotentest“ bezeichnet, und soll klären, ob die Person körperlich und geistig geeignet ist, wieder am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Untersuchung machen Experten der „Begutachtungsstellen für Fahreignung“.

Informationsveranstaltungen vor der MPU werden meist von Einrichtungen angeboten, die im Vorfeld Beratungen durchführen. Dabei wird der allgemeine Ablauf erläutert, die Erfolgskriterien benannt und Fragen der Vertraulichkeit und Schweigepflicht gegenüber Dritten angesprochen. Es werden Verhaltenshinweise und Beratungsempfehlungen gegeben.

Seriöse Beratungseinrichtungen und verkehrspsychologische Praxen finden sich im Internet leicht unter dem Suchwort: „mpu + Stadt“. Geeignete Informationen geben auch die Fahrerlaubnisbehörden. Sie empfehlen vor allem, möglichst früh in der Sperrfrist mit der Beratung bzw. Therapie zu beginnen.

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