12. Neue psychoaktive Substanzen (NPS)

So wirken NPS
Risiken und Folgeschäden
Akutgefahren
Mögliche körperliche Folgeschäden
Mögliche psychische Folgeschäden
Soziale Folgeschäden
Gefährlicher Mischkonsum

Neue Psychoaktive Substanzen sind synthetisch hergestellte Designerdrogen.

Von ihrer psychoaktiven Wirkung her ähneln sie anderen illegalen Drogen. Jedoch achten die Hersteller akribisch darauf, dass die einzelnen Inhaltsstoffe nicht ausdrücklich verboten sind – daher das irreführende Synonym „Legal Highs“.

Konsumformen

Neue psychoaktive Substanzen werden in vielfältigsten Darreichungsformen angeboten. Besonders bei „Legal Highs“ muss der Verpackungsaufdruck absolut nichts mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun haben. Die Namen der Drogen sind ebenso fantasievoll wie die nur für Eingeweihte verständlichen Gebrauchsanweisungen. Sogenannte „Räuchermischungen“ werden geraucht (oder selten als Tee aufgegossen), „Badesalze“ geschnupft, „Düngerpillen“ geschluckt. Sehr selten werden manche Substanzen gespritzt.

Bei Research Chemicals handelt es sich um Reinsubstanzen von meist sehr hoher Potenz. Auch hier sind Fehldeklarationen nicht auszuschließen.

 

Synthetische Cannabinoide (auch: Cannabinoidmimetika) imitieren die Wirkung der psychoaktiven Cannabis-Hauptkomponente THC. Sie sind häufig auf pflanzliche Trägerstoffe aufgesprüht, werden überwiegend geraucht und manchmal auch als Reinsubstanz oder E-Liquid verkauft.

Beispiele: AB-CHMINACA, CUMYL-PeGaCLONE

Synthetische Cathinone sind künstlich hergestellte Abkömmlinge von Cathin und Cathinon – zwei Stoffen aus dem Khat- Strauch. Sie sind mit der Stoffklasse der Amphetamine verwandt und werden u.a. als Pulver oder Kapsel verkauft. Der Konsum erfolgt durch Schlucken, Schnupfen oder Spritzen.

Beispiele: Mephedron, Methylon, MDPV

Phenylethylamine sind eine große Substanzgruppe, zu der neben den Cathinonen z.B. auch Methamphetamin und MDMA gehören. Sie werden u.a. als Pillen, Pulver oder Papiertrip gehandelt und entweder geschluckt, geschnupft oder injiziert.

Beispiele: 4-FA, NBOMe-Abkömmlinge

Piperazine, eine weitere Stoffklasse amphetaminähnlicher Drogen, sind organische Verbindungen des Piperazins, das als Nebenprodukt bei der Herstellung anderer chemischer Substanzen anfällt. Sie waren eine Zeitlang als Pillen oder Pulver im Umlauf. Heute spielen sie nur noch eine untergeordnete Rolle.

Beispiele: M-CCP, TFMPP, BZP

Tryptamine kommen als natürliche Alkaloide in etlichen Pflanzen vor, werden aber auch synthetisch hergestellt. Sie sind als kristalline Substanz im Handel, die geraucht oder geschnupft wird.

Beispiele: 5-MEO-DMT, 4-HO-MET

Ketamin-Abkömmlinge (Arylcyclohexylamine) sind chemische Abwandlungen des Narkosemittels Ketamin. Sie werden in Pulverform geschluckt oder geschnupft.

Beispiele: Methoxetamin (MXE), Methoxphenidin (MXP)

Synthetische Opioide imitieren die Wirkung von Opiaten, die als Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Sie sind als Kapseln, Tabletten, Pflaster oder Pulver im Handel; seltener werden sie auch geraucht oder gespritzt.

Beispiele: U-47700, verschiedene Fentanyl-Abkömmling

Designer-Benzodiazepine sind Verbindungen mit ähnlich schmerzstillender und beruhigender Wirkung wie klassische medizinische Benzodiazepine.

Beispiele: Diclazepam, Flubromazepam

 

So wirken NPS

Neue psychoaktive Substanzen lassen sich grob in 6 verschiedene Gruppen unterteilen, die sich durch ihre Art der drogenimitierenden Wirkung unterscheiden.

Gelangt eine NPS in den Körper, dockt diese an passende Rezeptoren der Nervenzellen an und beeinflusst dort die Ausschüttung verschiedener Neurotransmitter. Die wichtigsten davon sind Noradrenalin, Serotonin und das „Glückshormon“ Dopamin. Entsprechend stellt sich die körperliche und psychische Wirkung ein – von aufputschend über halluzinogen bis hin zu beruhigend.

Der Abbau der diversen Substanzen im Körper dauert zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen. Ebenso verhält es sich mit der (oft sehr schwierigen) Nachweisbarkeit in Blut und Urin.

Stimulanzien gaukeln dem Körper einen künstlichen Zustand von erhöhter Alarmbereitschaft und Wachheit vor. Herzschlag, Puls und Atmung sind beschleunigt, Pupillen und Bronchien erweitert. Man fühlt sich selbstsicher und konzentriert. Die Sinne sind geschärft, die soziale und sexuelle Hemmschwelle sinkt, Hunger, Durst, Schmerzen und Müdigkeit sind ausgeschaltet. Oft besteht ein massiver Bewegungs- und Rededrang.

Mögliche Nebenwirkungen: Schweißausbrüche, Herzrasen, Zittern, Muskelkrämpfe, Schwindel, Hautjucken, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Wahnvorstellungen, Paranoia u.a.

Bekannte illegale Stimulanzien: Kokain, Speed, Methamphetamin

Beispiele für stimulierend wirkende NPS: MDPV, Mephedron, Methedron, Flephedron, Dimethocain

Entaktogene/Empathogene wurden früher in der Psychotherapie eingesetzt, wenn Patienten Schwierigkeiten hatten, sich emotional zu öffnen. Sie verstärken die Wahrnehmung der eigenen Gefühle, wirken antriebssteigernd, erhöhen das Selbstbewusstsein und können Zustände von Euphorie auslösen.

Mögliche Nebenwirkungen: Schwindelgefühle, Übelkeit, Schweißausbrüche, Kiefermahlen, Mundtrockenheit, depressive Verstimmung u.a.

Bekannte illegale Entaktogene: MDMA (Ecstasy), MDA Beispiele für entaktogen wirkende NPS: Methylon, Butylon, MDAI

Dissoziativa bewirken eine scheinbare Entkoppelung von Körper, Geist, Raum und Zeit. Dabei können detaillierte, teilweise sehr realistisch wirkende Pseudohalluzinationen oder Synästhesien (z.B. „Töne sehen“) auftreten.

Mögliche Nebenwirkungen: Augenzittern, Übelkeit, unkontrolliertes Muskelzucken, Schwindel, Muskelsteifheit u.a.

Beispiel für illegale Dissoziativa: Ketamin, PCP (Angel Dust), Salvia Divinorum

Beispiel für dissoziativ wirkende NPS: MXE, 2-FDCK, MXP

Halluzinogene (auch: Psychedelika) verändern Sinneseindrücke, regen die Fantasie an und rufen Sinnestäuschungen hervor.

Mögliche Nebenwirkungen: Herzrasen, Lichtempfindlichkeit, Mundtrockenheit, Stimmungsschwankungen, Sehstörungen, Desorientierung, Angstzustände u.a.

Bekannte illegale Halluzinogene: LSD, Psilocybin („Zauberpilze“), Meskalin

Beispiele für halluzinogen wirkende NPS: 2-CX, 25X-NBO- Me, 1P-LSD, ALS-52

Synthetische Cannabinoide wirken je nach Substanz extrem unterschiedlich. User berichten von Zufriedenheitsgefühlen, veränderten Sinneseindrücken, Halluzinationen, großer Unternehmungslust, gesteigertem sexuellem Lustempfinden – oder aber dem totalen Gegenteil von alldem.

Mögliche Nebenwirkungen: Herzrasen, Mundtrockenheit, Kreislaufprobleme, Übelkeit, Krampfanfälle, Panikattacken, depressive Stimmung u.a. Die Räusche werden vielfach als extrem lang und belastend beschrieben. Im Unterschied zur „Originalsubstanz“ Cannabis kann eine Überdosierung auch tödliche Folgen haben – besonders bei synthetischen Cannabinoiden in Reinform.

Beispiele für synthetische Cannabinoide: JWH-018, AM-1220, UR-144, AB-FUBINACA

Sedativa wirken beruhigend und dämpfend auf das zentrale Nervensystem. Je nach Wirkstoff wird die bewusste Wahrnehmung ausgeschaltet, es kann zu tiefer Entspannung, Angstlösung und Müdigkeit kommen, selten auch zu Euphorie. Mögliche Nebenwirkungen: Benommenheit, Desorientierung, Gangunsicherheiten, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Magen-/Darmstörungen, paradoxe Reaktionen wie aggressives Verhalten.

Beispiele für sedierend wirkende NPS: (Designer-)Benzodiazepine, U-47700, Fentanyl-Abkömmlinge

Risiken und Folgeschäden

Von den meisten NPS sind weder genaue Wirkweisen noch Langzeitfolgen ausreichend dokumentiert. Die irreführende, fast immer unvollständige oder nicht wahrheitsgemäße Etikettierung macht viele NPS zu Hochrisiko-Drogen mit einer enormen Gefahr von Überdosierung, riskanten Wechselwirkungen bis hin zu irreversiblen Folgeschäden. (Die folgenden Punkte sind Beispiele und treffen nicht auf jede einzelne Substanz exakt wie genannt zu.)

Akutgefahren:

Überdosierung mit akuter Lebensgefahr!

Dehydration und Hyperthermie (v.a. bei Stimulanzien) sowie Kreislauf- oder Nierenversagen

Atemlähmung

Realitätsverlust mit Falscheinschätzung von Gefahren. Sexuelle Enthemmung mit Risiko von Infektionen, unerwünschter Schwangerschaft und Missbrauch. Beim Schnüffeln: Verletzungsrisiko der Naseninnenseite durch scharfkantige Röhrchen

Eher selten: HIV- und Hepatitis-Infektionsrisiko durch fremde Spritzbestecke

Mögliche körperliche Folgeschäden

Schwächung des Immunsystems und Organschäden, Gewichtsverlust

Störungen des Menstruationszyklus (unsichere Wirkung der Antibabypille!)

Beim Schnüffeln: Brüchigwerden der Nasenscheidewand, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

In der Schwangerschaft: erhöhte Gefahr von Missbildungen, Organschädigungen sowie Früh- und Totgeburten

Mögliche psychische Folgeschäden

Depressionen, Angstzustände, Halluzinationen, Verfolgungswahn und Panikattacken bis hin zu Suizidneigung Verminderte Konzentrations-/Merkfähigkeit, Schlafstörungen

Persönlichkeitsveränderungen (z.B. mit Aggression, Gefühlskälte, Antriebslosigkeit)

Zwangsgedanken, Zwangshandlungen

Intoxikationspsychosen

Soziale Folgeschäden

Finanzielle und juristische Probleme, Beschaffungskriminalität

Kontaktstörungen, Tendenz zur Selbstisolation, Unzurechnungsfähigkeit durch Auftreten psychischer Symptome auch im nüchternen Zustand

Gefährlicher Mischkonsum

Manche NPS-Fertigprodukte enthalten mehrere Wirkstoffe gleichzeitig und stellen so direkt einen gefährlichen Mischkonsum dar. Wird dann z.B. zu einem „Upper“ (Aufputscher) wie Kokain ein „Downer“ (beruhigendes Mittel) eingenommen, zwingt dies den Körper in kräftezehrende Paradox-Reaktionen. Kommen dagegen mehrere ähnlich wirkende Substanzen zum Einsatz, besteht immer die akute Gefahr einer Überdosierung. Beides kann lebensgefährlich sein.

Quelle und ausführlichere Informationen in der Broschüre „Neue psychoaktive Substanzen“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)

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