1. Allgemeine Informationen zum Thema Sucht und Abhängigkeit

Wann spricht man von Abhängigkeit (Sucht)
Wie entsteht eine Abhängigkeit?
Risikofaktoren, die eine Abhängigkeit fördern können
Wie sind meine Chancen aus dem Suchtkreislauf auszusteigen?

Welche Beratung oder Behandlung gibt es?

Gibt es eine Beratung im Internet?

Was ist und wie verläuft eine Beratung?

Was ist ein körperlicher Entzug?

Was ist eine Therapie?

Wer bezahlt Beratung und Therapie?

 

 

Wann spricht man von Abhängigkeit (Sucht)?
Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existierte der Begriff „Sucht“ von 1957 – 1964. Danach wurde er durch “ Missbrauch “ und “ Abhängigkeit “ ersetzt. In wissenschaftlichen Arbeiten wird der Begriff „Sucht“ daher nicht mehr verwendet, umgangssprachlich erfreut er sich aber weiterhin großer Beliebtheit. Sucht ist das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.

Jede Sucht entsteht über den Prozess: Erfahrung – Wiederholung – Gewöhnung (Missbrauch). „Sucht“ ist die psychische Abhängigkeit von einer Substanz oder einer Verhaltensweise, die sich außerdem bei Absetzen des Suchtmittels körperlich durch Entzugssymptome äußern kann.

Der/Die Betroffene hat das Gefühl, ohne sein Suchtmittel nicht lebensfähig zu sein oder das Leben „ungefiltert“ nicht ertragen zu können.

Oft dient die Sucht entweder zur Herstellung oder zur Vermeidung eines bestimmten emotionalen Zustandes, ist aber vom Süchtigen selbst nicht mehr bewusst willentlich steuerbar.

Sowohl der Weg in die Abhängigkeit hinein, als auch der Weg heraus sind ein Entwicklungsprozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Sucht ist in erster Linie eine Krankheit und bedarf ebenso einer Behandlung wie jede andere Erkrankung auch.

Wie entsteht eine Abhängigkeit?
Wenn Drogen als angenehm erlebt werden, entsteht der Wunsch nach Wiederholung. Das ursprüngliche Drogenexperiment oder der Gelegenheitskonsum entwickelt sich zum regelmäßigen Konsum und wirkt zunehmend gesundheitsschädigend. Ist der Konsument erst so weit, dass er den Alltagsanforderungen nicht mehr gerecht werden kann, ohne zu konsumieren, bahnt sich über eine Gewöhnung an das Suchtmittel eine Abhängigkeit an, die u.a. gekennzeichnet ist von einem zwanghaften Verlangen nach der Droge, der Dosissteigerung und der Angst vor dem Entzug. Festzustellen ist auch die Vernachlässigung früherer Interessen, der Freunde und Schule/Arbeit sowie das Ignorieren sichtbarer gesundheitlicher Schäden. In diesem Endstadium ist keine Kontrolle über das Suchtmittel mehr möglich.

Wenn sich bei Absetzen der Droge Nervosität, depressive Störungen und Unruhe einstellen, hat sich eine seelische Abhängigkeit entwickelt, während Schmerzen, Zittern, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufstörungen und Krämpfe Merkmale für eine körperliche Abhängigkeit sind. Letztere tritt bei Alkohol, Barbituraten und Benzodiazepinen (Schlaf- und Beruhigungsmittel) und Opiaten auf.

(Quelle: Weltgesundheitsorganisation www.who.dk )

Risikofaktoren, die eine Abhängigkeit fördern können
Viele verschiedene Faktoren können eine Abhängigkeit fördern und tragen zu einer höheren Suchtgefährdung bei. Das können Ursachen sein, die in der Person begründet liegen, wie z.B. psychische Krankheiten, Verhaltensauffälligkeiten, Versagensängste, mangelnde Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit, ein gering entwickeltes Selbstwertgefühl etc.

Doch ebenso können die Familie und das soziale oder gesellschaftliche Umfeld Faktoren für Suchtgefährdung sein. Vor allem negative Erlebnisse wie traumatische Erfahrungen mit Bezugspersonen (z.B. Gewalttätigkeit, Vernachlässigung, sexueller Missbrauch), Trennung der Eltern sowie Suchtprobleme in der Familie, Armut, Schulversagen und/oder mangelnde Anerkennung unter Gleichaltrigen können es fördern, dass Jugendliche zu Drogen greifen. Aber auch überbehütende Eltern, die ihr Kind gefühlsmäßig „erdrücken“ und die Schritte zur Selbständigkeit des Kindes erschweren und überfordernde Eltern, die im Leistungsbereich hohe Erwartungen an ihren Nachwuchs stellen, sich aber ansonsten zu wenig um dessen Bedürfnisse und Interessen kümmern, steigern nachweislich die Suchtgefahr.

Die Verfügbarkeit und der Preis von Drogen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn z.B. (legale) Drogen im Elternhaus vorhanden und für die Kinder problemlos zu erreichen sind, wenn der Drogenkonsum in der Jugendclique alltäglich ist oder wenn unter 16-Jährige schon mit dem Rauchen oder Trinken anfangen, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Suchtentwicklung.

Weisen die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen die genannten Risikofaktoren auf, ist es möglich, dass die Betroffenen sich nicht altersgemäß entwickeln und sich ihrer Stärken nicht bewusst werden. Ein stabiles Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeiten sowie die Liebe, Anerkennung und Geborgenheit von Bezugspersonen stellen somit die besten Schutzfaktoren gegen eine Suchtgefährdung dar.

Wie sind meine Chancen aus dem Suchtkreislauf auszusteigen?
Die körperliche Abhängigkeit von Drogen kann durch einen Entzug überwunden werden. Der dauert in der Regel einige Tage und kann sehr schmerzhaft sein. Oft ist eine ärztliche Begleitung erforderlich, unter Umständen auch ein Klinikaufenthalt. Der körperliche Entzug von Alkohol kann zum Beispiel zu lebensbedrohenden Komplikationen führen, eröffnet aber gleichzeitig die Chance auf ein neues Lebensgefühl.

Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit dauert meist länger und ist eine mit vielen Problemen verbundene Herausforderung. In einem langen Prozess geht es unter anderem darum, Lebensgewohnheiten aufzugeben und neue anzunehmen. Vor allem werden die Ursachen für die Abhängigkeit bearbeitet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Suchtberatungsstellen unterstützen bei der Überwindung einer Sucht, und helfen neue Wege für ein erlebnisreiches Leben zu finden.

Welche Beratung oder Behandlung gibt es?
Die Suchthilfe bietet ein breit gefächertes Beratungs- und Behandlungsangebot für Abhängige und deren Angehörige. Bei der Auswahl der Hilfe ist es wichtig die Wünsche und den Bedarf des Interessenten/der Interessentin zu berücksichtigen, aber auch die aktuelle Lebenssituation, also förderliche und hinderliche Bedingungen, in die Hilfeplanung mit einzubeziehen. Die BeraterInnen verfügen über ein fundiertes Wissen und können bei der Entscheidung, welche Hilfe die richtige ist, unterstützen. Meist sind dort SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen oder PsychologInnen tätig. Sie unterliegen im Rahmen ihrer Tätigkeit der Schweigepflicht.

Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:

Beratung
Diese kann Online, per Telefon oder im direkten Kontakt stattfinden. Im Rahmen einer Beratung können Informationen über die Hintergründe einer Suchterkrankung gegeben werden, die aktuelle Situation erörtert und weitere Schritte besprochen werden. Eine Beratung kann in Form eines einmaligen Kontaktes stattfinden, es ist aber auch möglich mehrere Gesprächstermine zu vereinbaren. Auf Wunsch kann die Anonymität des Hilfesuchenden gewahrt werden.

Behandlung
Unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebenssituation gibt es die Möglichkeit eine ambulante Suchttherapie durchzuführen, eine Tagesklinik zu besuchen oder eine stationäre Therapie in Anspruch zu nehmen. Die Behandlungsdauer liegt in der Regel zwischen 3 und 10 Monaten. Im Anschluss an eine stationäre Maßnahme empfiehlt es sich eine ambulante Nachsorge in einer Beratungsstelle durchzuführen, um den Behandlungserfolg zu festigen.

Selbsthilfegruppen
Es gibt eine Vielzahl von Selbsthilfegruppen, beispielsweise für Alkohol- oder Drogenabhängige, Spielsüchtige oder Menschen mit Ess-Störungen. Das jeweilige Angebot vor Ort kann in den Beratungsstellen oder im Internet erfragt werden.

Wie finde ich eine Suchtberatung in meiner Nähe?
Im Telefonbuch sind die Suchtberatungsstellen meist unter „Psychosoziale Beratungsstellen“ aufgeführt. Im Internet sind sie unter Schlagwörtern wie „Sucht“ und „Beratung“ zu finden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de) bietet ebenfalls ein Verzeichnis von Beratungseinrichtungen. Unter der Rubrik „Rat und Hilfe“ sind auch in vielen Tageszeitungen Beratungsstellen aufgeführt.

Gibt es eine Beratung im Internet?
Die Plan B gGmbH bietet eine Online-Beratung an. Es gibt die Möglichkeit einer anonymen Beratung, in der Mails innerhalb von 48 Stunden von Fachleuten der Beratungsstelle beantwortet werden. Zu verschiedenen Themen die mit Sucht in Zusammenhang stehen gibt es auch Chatforen. Das jeweilige Thema, sowie Datum und Uhrzeit werden auf der Internetseite der AG Drogen bekannt gegeben.

Bei akuten psychischen Krisen wenden Sie sich bitte an die Sucht- und Drogen-Hotline unter der Nummer 01805 – 31 30 3.

Was ist und wie verläuft eine Beratung?
In einem Beratungsgespräch haben Sie die Möglichkeit, sich von einer kompetenten Fachperson, meist einer SozialarbeiterIn/SozialpädagogIn oder PsychologIn Unterstützung zu holen. Sie können Ihre Sorgen schildern, Ihre Befürchtungen ansprechen oder auch konkrete Fragen stellen. Die BeraterIn wird Ihr Anliegen aufnehmen und versuchen, gemeinsam mit Ihnen Lösungen bzw. nächste konkrete Schritte zu erarbeiten. Er/Sie wird auch mit Ihnen besprechen, wie sie diese erreichen können welche Unterstützung hierfür verfügbar ist. Eine Beratung kann auf Wunsch anonym verlaufen; sie kann in einem einmaligen Gespräch wahrgenommen werden oder auch in einer kurzen Frequenz über mehrere Termine verlaufen. Sollten Sie sich dann für weitere Schritte entscheiden, können diese von Ihrem Berater/Ihrer Beraterin begleitet werden. Bei Bedarf wird diese/r Sie an die entsprechende Stelle weitervermitteln.

Was ist ein körperlicher Entzug?
Viele Suchtstoffe machen körperlich abhängig. Der Organismus benötigt dann regelmäßig eine bestimmte Dosis davon. Bekommt er diese nicht, treten Entzugserscheinungen auf. Ein körperlicher Entzug bedeutet dem Verzicht dieses Suchtmittels bis zum Abklingen der körperlichen Symptome (z.B. Zittern, Schweißausbrüche) und zum völligen Abbau des Stoffes im Körper. In der Regel erfolgt ein Entzug stationär bzw. wird medizinisch begleitet. Manche Suchtstoffe können abrupt abgesetzt werden, andere werden langsam ausgeschlichen um den Körper nicht zu überlasten. Ist der Entzug abgeschlossen braucht der Körper den Stoff nicht mehr, die psychische Abhängigkeit wurde dadurch jedoch nicht bearbeitet, das heißt, der Kopf signalisiert etwas anderes und der starke Wunsch, das Suchtmittel zu konsumieren, ist nach wie vor vorhanden.

Ein Entzug kann „kalt“ oder „warm“ durchgeführt werden, das heißt ohne oder mit der Gabe von Medikamenten. Die Dauer ist abhängig vom Suchtmittel und reicht von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen.

Was ist eine Therapie?
Eine Therapie soll einen abhängigen Menschen wieder dazu befähigen, ohne Suchtmittel sein Leben wieder sinnbringend zu gestalten. Die Behandlung berücksichtigt neben der Erhaltung der Abstinenz unterschiedliche Aspekte wie berufliche Teilhabe, Beziehungsgestaltung, signifikante Erlebnisse oder auch Freizeitgestaltung. Die Mitarbeiter verfügen in der Regel über eine therapeutische Zusatzqualifikation in unterschiedlichen therapeutischen Schulen (z.B. Verhaltenstherapie, interaktionelle Therapie, systemische Therapie,…).

Es gibt verschiedene therapeutische Angebote, die sich an der aktuellen Lebenssituation, dem Suchtverlauf sowie dem Bedarf einer abhängigen Person orientieren. Eine Kombinierung verschiedener Angebote ist möglich.

Stationäre Therapie
Die Behandlungsdauer beträgt bei Alkohol in der Regel zwischen 8 und 16 Wochen, bei illegalen Suchtstoffen zwischen drei und zehn Monaten. Ziel der Behandlung ist neben der Abstinenz das Erlernen von Alltagskompetenzen, eine berufliche Wiederannäherung bzw. Erprobung der eigenen Fähigkeiten und Interessen, sowie das Kennenlernen verschiedener Freizeitmöglichkeiten, die dann auch nach Abschluss der Behandlung am Wohnort fortgeführt werden können. Neben therapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen gibt es Arbeitstherapie, Freizeitangebote sowie gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Einrichtung. Die PatientInnen leben in einer Art Hausgemeinschaft. Die Klinik stellt einen beschützenden Rahmen dar, der den Kontakt nach außen zunächst einmal beschränkt und es dem Patienten/der Patientin erlaubt, sich zuerst einmal auf sich selbst zu konzentrieren. Im weiteren Verlauf nehmen die Außenkontakte zu und es finden auch Fahrten nach Hause, sogenannte Belastungsfahrten, statt. Im Anschluss an eine stationäre Therapie ist eine ambulante oder stationäre Nachsorge möglich und wird auch ausdrücklich empfohlen

Tagesklinik
Die Behandlungsdauer beträgt i. d. Regel drei bis 6 Monate. Die therapeutischen Angebote finden von Montag bis Samstag statt, die Abende/Nächte sowie die Sonntage verbringen die PatientInnen zuhause. Die Inhalte sind ansonsten am vollstationären Setting orientiert und bieten neben Einzel- und Gruppengesprächen auch Angebote zur Freizeitgestaltung. Häufig sind auch Selbsthilfegruppen vor Ort in das Angebot mit einbezogen und werden von den PatientInnen bereits während der Rehabilitation besucht.

Ambulante Therapie
Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 6 Monate und kann auf ein Jahr verlängert werden. Es finden regelmäßige therapeutische Einzel- und Gruppengespräche statt. Eine berufliche und soziale Integration sind Voraussetzung für eine ambulante therapeutische Maßnahme. Wichtige Bezugspersonen können in die Behandlung mit eingebunden werden. Es ist möglich, bereits während der Therapie eine Selbsthilfegruppe zu besuchen.

Wer bezahlt Beratung und Therapie?
Die psychosoziale Beratung wird durch die Gemeinden, Städte und Bundesländer finanziert und ist für die Betroffenen in der Regel kostenlos.

Die Behandlung einer Suchterkrankung zählt zu den sogenannten medizinischen Rehabilitationsleistungen, das heißt: Ziel ist die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der beruflichen Erwerbsfähigkeit. Folglich ist der erste zuständige Kostenträger die Rentenversicherung. Hat eine Person noch keine oder nicht genügend Rentenversicherungsbeiträge entrichtet, kommt die Krankenversicherung in die Pflicht eine Maßnahme zu finanzieren. In Fällen, in denen auch die Krankenkasse formal nicht zuständig ist, läuft das Kostenantragsverfahren über die ARGE bzw. das Sozialamt.

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